Eine unerwartete Reise nach Mingun

Nach einem ziemlich guten aber ungewohnt langen Schlaf bin ich gegen 8.30 Uhr mit meinem Leihfahrrad auf der Straße, um runter zum Hafen von Mandalay zu fahren und dort mit einem Boot das auf der anderen Seite liegende Mingun zu besuchen. Als ist endlich mit viel Fragen den entsprechenden Anleger gefunden hatte war es schon 9.45 Uhr. Ein paar Leute, die verstanden, was ich eigentlich wollte, sagten aber, dass das letzte Boot vor 9 Uhr abfuhr. Oh, oh. Plan B? Kein Mingun? Keine größte hängende Glocke der Welt? Was macht man bitte einen Tag in Mandalay, wenn man schon einen gut genutzten erlebt hatte? Auf einmal kam einer der vorher gefragten auf mich zu und bot mir an, mich über den viel längeren aber auch schönen Landweg hinzubringen und mir dabei die wichtigen Orte und Plätze zu zeigen. Wow, einen ganzen Tag mein Moped-Privat-Guide für, nach Standardpreisverhandlung umgerechnet 7 Euro, hörte sich nach einem fairen Deal an und der Tag war gerettet. Er war sehr nett, heißt U Pak und war wirklich um gute Geschwindigkeit bemüht. So brausten wir wieder vorbei an Amarapura, diesmal über die Brücke nach Sagaing und weiter nach Mingun. Alles Sehenswerte nahmen wir später auf dem Heimweg mit.

Circa eine Stunde später, standen wir auf der gewünschten anderen Seite des Irrawaday und stoppten an einem wahnsinnigen Großprojekt aus dem 14. Jahrhundert. Dem Pa Hto Taw Gyi. Es war die Idee von König Bodawpaya, hier die größte, höchste und goldigste Pagode der Welt zu bauen. Wobei „Welt“ sicher damals noch eine andere Größenordnung darstellte. Nach über 50 Baujahren verstarb der König und sein Nachfolger hatte es nicht ganz so mit dem Größenwahn und stellte das Projekt nach weiteren 20 Jahren ein. Dafür wurden 20.000 Sklaven verheizt und jede Menge Ziegel. Einige Äonen und Erdbeben später, steht der Koloss immer noch in der Landschaft als weltgrößter Ziegelhaufen. Erinnerte mich jetzt doch wieder an zuhause und einem gewissen Bauprojekt in Berlin, was dazu führt, dass ich immer noch in Tegel lande.

Weiter ging es zur ganz intakten größten hängenden Glocke auf Bronze der Welt. Leider musste der damalige Glockenbauer geköpft werden, damit das Wissen nicht in andere Hände fällt. Ojeh- wenn das mal nicht tödliche Ego-Verstärkungen waren. Natürlich wollte ich als Reisender auch mal gegenschlagen und sie hatte wirklich einen fantastischen tollen tiefen nachhallenden Klang. Die letzte Sehenswürdigkeit für mich in Mingun war der Mya Thein Tan Pagode, welche komplett in weiß und mit wellenförmigen Terrassen oft für Fotomotive von Myanmar herhalten muss. Sie ist dem heiligen Berg Meru nachempfunden, der quasi das Zentrum der Welt darstellt.

Auf dem Weg zurück nahm ich mir viel Zeit, um von den verschiedenen Pagoden den Ausblick über die Hügel zu genießen, welche wiederum von Klöstern, Tempeln und Pagoden übersäht waren. Sagaing ist, wenn man so will, wohl das Buddhistische Zentrum. In der Saison kommen hier über 100.000 Gläubige und Meditationswillige zusammen. In der regulären Zeit sind immer noch über 50 % der Bevölkerung Nonnen und Mönche.

Nach einem ausgefüllten Tag kehrten wir wieder zurück und ich fuhr mit meinem Rad weiter am Hafen entlang. So fand ich ein schönes Restaurant mit Aussicht und konnte den Sonnenuntergang und das Treiben im Hafen beobachten und genießen. Wieder im Dunkeln zum Hotel zurück, traf ich oben in der Bar wieder Nakul, diesmal gesellte sich Mae, eine Thailändische Touristen, die auch das erste Mal im Nachbarland war dazu, sowie Mike – ein Kanadier und Brandon, ein Australier dazu. Wir hatten wieder gute Gespräche über das Erlebte und was wir als nächstes planten. Nakuls Bilder von seiner gefundenen Grotte wurden ausgewertet und er durfte stolz auf seinen Trip sein.

Für mich beginnt der Tag morgen früher, da ich mir ein Motorrad ausgeliehen habe, um selber zu den Anisakan-Wasserfällen zu kommen, die kurz vor Pyi Oo Liwn 70 km im Osten von Mandalay liegen.

Bilder-Link:
https://goo.gl/photos/PhkGsn8Q9RgaGZb2A